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Gedanken …

05.03.2020:  Eigentlich wollte ich meinen Blog mit ganz anderen Dingen anfangen – mit der Vorfreude auf das neue Olivenöl von Iannis Mihelakis, auf die ersten Märkte, auf dieses Gefühl des Aufbruchs nach einem doch recht langen Winter, der eigentlich gar keiner war. Ich wollte schreiben von unseren Vorbereitungen für den Flug nach Kreta im Mai, über den Geruch von Oregano und Thymian, über die Fahrt in den Süden nach Fangokastello, über den Moment, in dem wir das Meer wieder sehen …

Doch nun kommt alles anders: die ersten Bauernmärkte und verkaufsoffenen Sonntage sind abgesagt,  das erwartete Olivenöl wird wahrscheinlich seinen Weg durch Italien nicht zu uns finden, Botano in Kouses und Stavros in Frangokastello müssen bis auf weiteres warten, weil wir nicht fliegen werden, zu groß ist die Gefahr der Ansteckung.

18.03.2020:   Die meisten Geschäfte sind geschlossen, jedenfalls die nicht „systemrelevanten“.  Wir sind überzeugt, dass Olivenöl, Oliven, Tee und Honig für unser Leben ausgesprochen „systemrelevant“ sind. Beim Ölziehen z.B. wird der Mundraum über einen bestimmten Zeitraum ( am besten 15-20 Minuten) mit (Oliven-) Öl gefüllt und gespült. Hier wird nicht nur der Mundbereich, sondern der gesamte Organismus durch die entgiftende und antibakterielle Wirkung des Ölziehens effektiv entlastet. Die positiven Auswirkungen sind in allen Körperbereichen spürbar – nicht zuletzt über die Stimulierung der Zungenreflexzonen. Sie sollten das Öl im Mund hin und her bewegen, durch die Zähne ziehen, ruhen lassen und anschließend in einem Küchentuch entsorgen, um sich aller Bakterien und Viren zu entledigen.  Und Olivenöl hat natürlich auch noch andere hervorragende Eigenschaften, nämlich jede Menge Vitamin E und Antioxidantien wie Oleoropein, Oleocanthal und Hydroxytyrosol, ist stark entzündungshemmend – und schmeckt wunderbar. Vielleicht sollte man so einen Coronavirus mal in Olivenöl tauchen. Ich bin überzeugt, er hätte keine Chance der Vermehrung …

Oder nehmen wir den Cistus-Tee: ein einfaches Hausmittel mit praktisch keinen Nebenwirkungen, das Viren und Bakterien in Schach hält. Interessant sind bei der Zistrose neben den Gerbstoffen  weitere Inhaltsstoffe. Denn Wissenschaftler gehen davon aus, dass in der Zistrose ganz spezielle Flavonoide stecken – und zwar Flavonoide, die eine antivirale und antibakterielle Wirkung haben. Generell handelt es sich bei Flavonoiden um so genannte sekundäre Pflanzenstoffe. Typischerweise schützen diese Stoffe Körperzellen auf molekularer Ebene vor Verletzungen, Erkrankungen oder vorzeitiger Alterung. Das Bemerkenswerte gerade bei der Zistrose: bei Labor- und Tierversuchen wurde festgestellt, dass ein Zistrosen-Extrakt die Verbreitung von Grippe-Viren stoppen kann. Durch die „gerbende“ Wirkung, die man auch schmeckt, verringert sich nämlich die Angriffsfläche für Viren und Bakterien an den Schleimhäuten. Die enthaltenen Polyphenole wiederum inaktivieren gezielt Proteine, mit denen sich Erreger an menschliche Zellen anheften und in sie eindringen. Influenza-Viren können so nicht optimal „andocken“, sondern werden von Speichel und Schleim einfach weggewaschen, was die Ansteckungsgefahr in Grippezeiten ganz erheblich verringert! Knoblauch, Zwiebeln und Co. genauso wie Ringelblume und Sonnenhut sind auch zu empfehlen …

20.03.2020:  Die Hofläden, sei es der Biohof Gensheimer in Offenbach, Schickes Lädel in Zeiskam oder auch der Marienhof in Ottersheim, werden für mich die nächsten Wochen kein Thema sein. Ich kann ihre Argumentation verstehen, sie haben selbst im Moment Probleme genug … bleibt der Wochenmarkt in Germersheim und mein Laden in Ottersheim … apropos bleiben ——–

25.03.2020: Wo bleibt mein Olivenöl? Mein griechischer Käse? Mein Ouzo? Mein Honig?  Ich bin froh, dass ich im Januar noch Tee und Gewürze aus Kouses bekommen habe …

Ostern 2020:   Kaiserwetter! Und viel Zeit! Nach Holland auf die Märkte können wir nicht, also bleibt uns der Garten, Spaziergänge im Ottersheimer Wald (mit viel Abstand), kleine Fahrrad-Touren (ohne Biergärten). Ich genieße diese Ruhe, zu der ich gezwungen werde, kümmere mich um den Laden, desinfiziere – alles ohne Hektik, mit viel griechischer Musik, unterstütze die Brauer und Winzer, dazwischen der herb süßliche Geruch von Oregano und Thymian ( definitiv nur das! ). Es fehlt nur das Rauschen des Meeres – und der Duft von frischgebratenen Sardinen…

16.04.2020:  Heute kam die Absage! Die „BeGaTa“, die Bellheimer Gartentage finden in diesem Jahr nicht statt. Sie werden nicht verschoben, nein, sie finden schlichtweg nicht statt! Der Juni, sonst so ein toller Monat mit der BeGaTa, dem Öl-und Kräutermarkt in Kandel und dem Deutsch-Französischen Genuss-und Bauernmarkt , ist um eine wesentliche Attraktion ärmer. Und so wie es aussieht, macht die Corona-Krise auch vor den beiden anderen Märkten keinen Halt … noch ist Hoffnung angesagt.

19.04.2020:  Tasso hat angerufen: das Ölivenöl kommt langsam- von Kontrolle zu Kontrolle – vorwärts Richtung Germania … irgendwie erinnert mich das an “ 40 Wagen westwärts “ …

20.04.2020:  Der starke Wind trägt den Geruch Kretas zu uns herüber, lässt unsere Gedanken fliegen, lässt uns träumen …

24.04.2020:   Absage! Der 4. Deutsch-Französische Bauern-und Genussmarkt in Bellheim ist abgeblasen! Es war zu befürchten, aber die Endgültigkeit dieser Entscheidung trifft mich bis ins Mark. Der nächste Markt der „großen Drei“, der nicht stattfindet …

… ich habe heute auf dem Marienhof in Ottersheim wieder Olivenöl und Oliven verkauft – es war ein tolles Gefühl: Sonne, Leute, Gespräche ( immer mit zwei Meter Abstand und Gesichtsmaske! ) rund um Corona und über wichtige Dinge – und Umsatz. In diesen Zeiten fühlt sich das an wie ein warmer Sommerregen … vielleicht entspannt sich ja die Lage auf den Hofläden so langsam …

25.04.2020:   … immer noch kein Olivenöl!

27.04.2020:   Ich glaube es nicht! Käse, Feta, Ouzo – zwar nicht ganz die Artikel, die ich bestellt habe, und auch nicht die Menge, aber es ist ein Anfang. Kreta antwortet mir. Verhalten, leise – wie eine Geliebte, die sich noch nicht ganz offenbaren will …

29.04.2020:  Der Geruch: fruchtig, nach frisch gemähtem Gras, nach Frühlingswiese. Langsam nehme ich den ersten Schluck des frischen Olivenöles, lasse es mit der Zunge im Mund umherrollen. Ich habe den Eindruck, es ist milder als das letztjährige, wobei nach kurzer Zeit eine angenehme Schärfe mich eines Besseren belehrt. Diese Schärfe, dieses pfeffrige Brennen in der Kehle wird hervorgerufen durch das Oelocanthal, einem Wirkstoff, der bei hochwertigem nativem Olivenöl extra von Natur aus vorkommt. Es ist ein effektives Antioxidans und ein stark entzündungs-hemmender Wirkstoff mit Eigenschaften, die an Ibuprofen erinnern. Forschungsergebnisse belegen, dass viele Olivenöle vergleichsweise hohe Mengen von Oleocanthal enthalten und deuten darauf hin, dass diese Substanz ( und auch die Ölsäure ) positive Effekte gegen Herzerkankungen, Schlaganfall und Krebs haben könnte. Auch das im Olivenöl enthaltene Vitamin E ( Tocopherole ) hat antioxidative Eigenschaften.

Es ist endlich da, das „neue“, frische Olivenöl, auf das ich jetzt seit vier Wochen warte, und es ist wieder ein einzigartiges Öl, eine kulinarische Kostbarkeit, die uns in dieser Zeit hilft, über Dinge hinwegzukommen, die uns auferlegt werden.  „Olivenöl ist wie das Leben selbst: fruchtig, scharf und mit einer Spur komplexer Bitterkeit“. 

Ich freue mich schon auf die Wildschweinschulter in Mengen von Olivenöl, scharf angebraten —– Stopp! werden hier viele von Ihnen sagen. Olivenöl und braten, das geht doch gar nicht —– doch, es geht: der Rauchpunkt eines guten Olivenöles nativ extra liegt bei ca. 192° Grad Celsius. Die im Öl enthaltenen Polyphenole haben nicht nur eine gesundheitsfördernde Wirkung, sie schützen das Öl auch vor Oxidation und Überhitzung. Und nachträglich auf das Fleisch geträufelt nimmt man neue Aromen wahr, sein Geschmack hat plötzlich neue Tiefe und Intensität … und das gilt nicht nur für Fleisch. Gemüse, mit einigen Tropfen Olivenöl verfeinert – ein Gedicht. Dasselbe gilt für´s Backen – und für die kalte Küche sowieso …

Das kleine ABC der Analysewerte für Olivenöl

  • Säuregehalt:  Der Säuregehalt ist der bekannteste Qualitäts – Messwert. Je weniger freie Fettsäure ein Olivenöl enthält, desto schonender wurde es geerntet und gepresst. Damit ein Olivenöl unter der Bezeichnung „Olivenöl nativ extra“ verkauft werden kann, darf der Gehalt an freien Fettsäuren höchstens o,8 % bertagen.
  • Peroxidzahl ( POZ ):   Sie gibt Hinweis darauf, ob das Olivenöl der Oxidation ( Licht und Sauerstoff ) ausgesetzt war. Sehr gutes Öl sollte maximal 20 meq02/kg haben.
  • K232-Wert:   Ein erhöhter K232-Wertdeutet auf Oxidationsprozesse im Olivenöl hin, die durch zu lange Lagerung vor der Pressung oder durch zu hohe Temperaturen bei der Extraktion her-vorgerufen. Olivenöl „nativ extra“ sollte einen K232-Wert im normalen Bereich zwischen 1,5 und 2,8 aufweisen.
  • K270-Wert:  Dieser Wert gibt an, wie frisch das Olivenöl ist. Er ist direkt nach derErnte sehr niedrig und steugt mit der Zeit langsam an. Alte oder mit alten Ölen verschnittene Olivenöle haben einen hohen K270-Wert. Die Alterung ( Oxidation ) wird durch Sonneneinstrahlung , hohe Temperaturen oder Sauerstoff beschleunigt. Es sollte daher immer dunkel, abgeschlossen und kühl gelagert werden. Olivenöl „nativ extra“ sollte einen K232-Wert von max 0,22 aufweisen.
  • Δκ-Wert:  Der Delta K-Wert ist ein Kriterium zur Unterscheidung der Qualität und der Reinheit von Olivenölen. Zur Bestimmung dieses Indikators werden die Werte aus K232 und K 270 mit Hilfe einer physikalischen Formel und einem kennzeichnenden Ergebniswert für Extra Natives Olivenöl verglichen. Jede Mischung mit einem anderem Olivenöl als Nativem Olivenöl Extra wird angezeigt. Der DK-Wert des Nativen Olivenöls Extra darf nicht höher als 0,01 sein.

Diese Werte werden auf einer Flasche Olivenöl im Supermarkt kaum zu finden sein. Es lohnt sich also, Olivenöl zu probieren, es zu „erschmecken“ und zu erkennen, welches Olivenöl das richtige für Sie ist. Ein mildes, zurückhaltendes Öl passt hervorragend zu Fisch, zu Gemüsen und Salat. Ein würziges, dominantes Olivenöl braucht einen starken Hintergrund wie Gebratenes, Pesto, Aufstriche. Das zu ergründen ist eine tolle Sache, die einem hilft, sich in der Welt des ( guten ) Olivenöles zurechtzufinden. Aber letztlich ist eines wichtig: es muss Ihnen schmecken! Da helfen keine Tests und Versprechungen auf dem Etikett und in der Werbung. Probieren ist also angesagt …

02.05.2020:  So langsam fängt die Zeit der Hofläden wieder an. Ich werde in den nächsten Tagen mal wieder mit ein paar Anfragen starten, schließlich muss Geld in die fast leeren Kassen kommen …

7.05.2020:  Eigentlich würden wir jetzt packen. Eigentlich wäre die Vorfreude auf Frangokastello, auf das Meer, das Essen, auf Kreta jetzt schon riesig – eigentlich. Statt dessen sitzen wir im Garten, lassen uns die Sonne auf den Bauch scheinen und genießen die coronische Ruhe. Hat auch was. Aber nicht so viel. Den Freitag und Samstag werde ich wieder auf auf dem Marienhof in Ottersche und auf dem Bioland-Hof Gensheimer in Offenbach verbringen und so langsam zurückkommen in die Zivilisation, natürlich mit dem gebührenden An-und Abstand. Apropos „ab“: ich warte immer noch auf die Absage aus Kandel ( Öl-und Kräutermarkt , Anm.d.Red.), die den Juni dann endgültig zum ertragärmsten Monat seit Menschengedenken machen würde. Habe schon überlegt, eine Bank zu überfallen, die Ausstattung habe ich ja jetzt – und die staatliche Anweisung zur Maskerade dazu. Traue mich aber nicht, bleibe lieber im Garten liegen …